Aktuelles

NEUE ENTWICKLUNGEN – EIN KRITISCHER KOMMENTAR

Der Markt für Schutzhandschuhe ist im wahrsten Sinne des Wortes groß. Unzählige Anbieter, Marken, Modelle stehen dem Nutzer zur Verfügung und gestalten die Auswahl oftmals sehr schwierig. Hinzu kommt dieser Tage die novellierten Normen, die im Grunde für mehr Transparenz und eine realistischere Auswahl der Produkte auf das jeweilige Arbeitsrisiko sorgen sollten. So wurde die EN 388:2016 eingeführt, um Gewebe, das bislang nach der alten Norm in der höchsten Schnittklasse eingeordnet wurde, durch einen zusätzlichen Test exakter bewerten zu können. In der Theorie war die Idee auch absolut nachvollziehbar, da die EN ja auf die alte DIN-Norm zurück geht, die allerdings aus den 50er Jahren stammt und somit veraltet war. Neue Garne und dadurch auch neuartige, hochkomplexe Gewebestrukturen haben die Art der Handschuhe in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich verändert. Hochleistungspolypropylengarne in Kombination mit Glasfasern o.ä. haben die alten Prüfungsanordnungen nach EN 88:2003 oftmals in die Knie gezwungen, da zwar die höchste Schnittklasse erreicht wurde, dies aber keinen realistischen Bezug hatte. Durch die Neueinführung des TDM-Testverfahrens und der Performance-Level von A-F sollte für den Nutzer leichter verständlich sein, welcher Handschuh nun tatsächlich seine Anforderungen abdeckt.

Nachdem nun die neue Norm eingeführt ist und nur noch Altbestände durch den Handel verkauft werden dürfen, neue Ware allerdings auch nach der novellierten Norm getestet sein muss, bleibt festzuhalten, dass sich im Prinzip nichts geändert hat. Der administrative Aufwand für Inverkehrbringer hat sich deutlich erhöht, die Auswahl der Produkte ist noch undurchsichtiger geworden, die Kennzeichnung ist nicht genormt und wird so von jedem Anbieter anders interpretiert. Natürlich – so sagen viele Branchenkenner – wird es Zeit brauchen, bis sich alle Marktteilnehmer an die neuen Normen gewöhnt haben. Dem stimmen wir zu, aber der Grund für eine Normänderung war im Wesentlichen, dass man die Gefahr in der Anwendung transparenter machen wollte, wenn „dünne“ Gewebe mit der höchsten Schnittklasse ausgezeichnet sind. Immerhin sind diese Handschuhtypen dann auch in der gleichen Klasse anzutreffen wie Kettenhandschuhe, die wohlbemerkt diese Klasse auch verdient haben. Nun rätselt der Anwender zwischen der Kennzeichnung 1 – 5; X und A-F.

Schlimmer noch: Knapp ein halbes Jahr nach in Kraft-Treten der novellierten Norm kommen die ersten Handschuhe in 18-Gauge-Qualität – ultra-dünn – mit Schnittklasse F auf den Markt und bieten vermeintlich die gleiche Performance wie Kettenhandschuhe! Man muss kein Experte sein, um festzustellen, dass dies unmöglich ist. Die Rede ist von Wolframfaser oder Tunskin-Garnen. Wolfram ist uns allen aus Glühbirnen bekannt – die allgemein bekannt verboten wurden – und von panzerbrechender Munition. Wir selber haben erste Handschuhe mit diesen Fasern in unseren eigenen Laboren getestet und tatsächlich sind 2 Paare aus einer Reihe von 10 Paaren mit der Schnittklasse F getestet. Allerdings haben die restlichen 8 Paare nicht einmal die Klasse E erreicht! Demnach kann von einer stringent höchsten Schnittklasse in der Massenproduktion nicht die Rede sein. Wir raten allen Anwendern zur Vorsicht und dazu, anhand der eigenen Risikoanalyse zu definieren, ob wirklich eine höchste Schnittklasse benötigt wird. Wir stehen mit unserer Kompetenz und Erfahrung aus 80 Jahren Entwicklung und Produktion für Fragen und Antworten bereit.